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Isolierte Rationalität und Differenzierung

Der isoliert arbeitende rationale Verstand hat zur Differenzierung nur ein Kriterium:

die äußere Form der Dinge - den äußeren Anschein auf materieller Ebene

Was ihm nicht zugänglich ist, sind Formen geistiger Differenzierung, wie sie aus innerer Erkenntnis erwachsen, aus emotionalen inneren Prozessen.

Materielle Weltsicht ist mit Angst vor und Ablehnung von inneren Entscheidungen verbunden. Das hängt unter anderem mit dieser "der-Mensch-hat-sich-aus-dem-Tierreich-entwickelt"-Geschichte zusammen. Die intelligenten, weisen, inneren, emotionalen und energetischen Prozesse werden als niedere Überbleibsel unserer tierischen Vergangenheit gesehen.

In der Folge tendiert der rational isolierte Verstand dazu, die Entscheidungsalternativen immer weiter einzuschränken. Das nämlich bewahrt ihn vor der Notwendigkeit innerer Entscheidungen.

Wenn a tue x, wenn b tue y.

wird zu

Wenn a tue x. Ende.

Der einzelne, dumme, fehlbare Mensch braucht keine Entscheidungen mehr zu treffen, sondern er verhält sich einfach entsprechend den Regeln der "Experten". (In der Praxis ist es natürlich so, dass die meisten Menschen in irgendetwas eng begrenztem Experten sind und auf allen anderen Gebieten aber auf Experten angewiesen.)

Das führt zu einem sehr eindimensionalen, immer gleichen Verhalten, das schlussendlich sehr viel mehr Schaden anrichtet als Nutzen stiftet.

Um das noch einmal klar herauszustellen:

Es sind zwei Tendenzen, welche den Umgang isolierter Rationalität mit handlungsbestimmenden Konzepten einschränken:

  1. Die Differenzierung der Ausgangssituation erfolgt nur aufgrund der äußerlich wahrnehmbaren Form (Stichwort "Objektivität"), nicht aber aufgrund von subjektiven inneren, emotionalen, energetischen Wahrnehmungen.
  2. Die Differenzierung der Ausgangssituation wird auf möglichst nur eine einzige Alternative begrenzt, um gar nicht entscheiden zu müssen.

Der einzelne, fehleranfällige, subjektive Mensch mit seinen "niederen Instinkten" wird als Fehlerfaktor ausgeschaltet, indem er wie ein Automat nach möglichst einfach nachvollziehbaren Regeln funktionieren soll.

Dazu ein Beispiel:

Ich verdiene mein Geld mit Softwareentwicklung. Im Bereich der Softwareentwicklung gibt es eine Methode, die nahezu ausschließlich und überall eingesetzt wird: die Objekt-Orientierung. Es wird von Softwareentwicklern erwartet, immer und überall diese eine Methode einzusetzen.

Tatsächlich aber ist diese Methode nur in einem ganz engen und kleinen Anwendungsbereich tatsächlich hilfreich. Man bräuchte differenzierte Methoden und die Entwickler müssten eigenverantwortlich entscheiden, wann welche Methode nützlich ist. Das traut man ihnen aber nicht zu.

Die Informatik versucht auf diese Weise Probleme zu lösen, die eigentlich aber erst durch solche Gießkannen-mäßig angewandten Methoden überhaupt verursacht werden. Ohne solche Methoden gäbe es viele Probleme in der Softwareentwicklung gar nicht.

Das Konzept dahinter ist für jeden Deppen ganz einfach zu verstehen: "Wenn du Software entwickelst, mache Objekt-Orientierung." Und da die Informatik offensichtlich annimmt, dass die meisten Softwareentwickler solche Deppen sind, versorgt sie sie mit solchen ganz einfachen Regeln. Was dabei auf der Strecke bleibt, sind Kreativität, Individualität und wirklich gute Lösungen. Denn Kreativität braucht vor allem eins: schöpferische Freiheit - die freie Entfaltung der Lösung jenseits aller Konzepte.

Anderes Beispiel:

Hat ein Mensch irgendein Krankheits- oder Schmerz-Symptom, dann gibt es in materieller Weltsicht das Konzept:

"Renne sofort zum Arzt und lasse das Symptom durch Medikamente oder eine Operation beseitigen."

Dieses Konzept führt dazu, dass die natürlichen Heilungsprozesse des Körpers nicht mehr greifen können. Es wird ihnen zuvorgekommen. Medikamente beseitigen Symptome, ohne die dahinter liegenden Ursachen aufzulösen. Die Symptome werden dadurch lediglich verlagert. Operationen schaffen nicht selten irreparable Schäden, die der Körper dann durch seine Heilungsfähigkeiten nicht mehr beheben kann.

nächstes Kapitel: Isolierte Rationalität (Gefühle und Differenzierung)